Vitamin D- Mangel und Depressionen: Ein unterschätztes Phänomen?

Depressionen zählen heute zu den häufigsten und folgeschwersten psychischen Erkrankungen. So durchlebt laut Schätzungen etwa jede fünfte von uns in seinem Leben eine schwere Depression. Die Gründe und Verlaufsformen sind hierbei vielfältig. Neben genetischen Komponenten, Burn-Out, Stress oder schwierigen lebensumständen werden seit geraumer Zeit auch Nährstoffmangel zu den Faktoren, die Depressionen fördern können diskutiert.

 

Depressionen und Vitamin D-Mangel

Vitamin D spielt eine wichtige Rolle in der Regulation des Hirnbotenstoffes Serotonin und ein Mangel an Vitamin-D führt zu strukturellen Veränderungen im Gehirn und beeinflusst die Verwertung von Dopamin und die Synthese von Noradrenalin. Alle Botenstoffe haben einen Einfluss auf Stimmung und psychische Verfassung. Des Weiteren hat Vitamin D zahlreiche Nerven-schützende Funktionen.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass zahlreiche aktuelle Studien einen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und Depressionen aufzeigen und zu der These gelangen, dass je ausgeprägter der Vitamin-D-Mangel ist, um so schlimmer die Symptome der Depression sein können. Ein Anheben des Vitamin-D-Spiegels führe umgekehrt zu einem Abklingen der Symptome. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen zu der Vitamin-D Theorie, aber der gute Erfolg bei Interventionsstudien und das aktuelle Verständnis der Wirkmechanismen lassen auf ein großes Potenzial für Vitamin D bei der Behandlung von Depressionen hoffen.

Vitamin D- Mangel ist keine Seltenheit

Vitamin D wird zu 90 % in der Haut gebildet, unter dem Einfluss der Sonne. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Vitamin D-Spiegel in unseren Breitengraden häufig zu niedrig ist. Das Robert-Koch-Institut in Berlin hat im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums eine repräsentative Studie über die Vitamin-D-Versorgung in Deutschland durchgeführt. Bei mehr als der Hälfte der über 4.000 untersuchten Personen aller Altersstufen wurde ein teilweise erhebliches Defizit an Vitamin D festgestellt: Der Vitamin D-Spiegel im Blut von 57 Prozent der untersuchten Männer und 58 Prozent der Frauen lag unterhalb des kritischen Grenzwertes. Bei den über 65-jährigen Frauen waren 75 Prozent unterversorgt. In den Wintermonaten waren die festgestellten Defizite noch höher.

Was kann man tun bei einem Vitamin D-Mangel?

Zunächst rate ich jedem einmal den Vitamin D-Spiegel messen zu lassen. Das geht ganz einfach über eine Blutabnahme. Die bisher verfügbaren Studien legen nahe, dass das Risiko einer Depression ab einem Blutspiegel von 30 ng/ml deutlich abnimmt.
Ziel der Therapie sollte ein Anheben des Vitamin-D-Spiegels auf 40-60 ng/ml sein. Solche Werte werden üblicherweise mit Dosen von 2000-3000 IE pro Tag von den meisten Menschen erreicht. Es gibt hierbei zahlreiche Präparate in der Apotheke zu kaufen, mit den unterschiedlichsten Wirkdosen. Daher sollte man nicht auf eigene Faust losziehen und Tabletten einwerfen, sondern einen Experten zu Rate ziehen. Wer hier mehr Informationen zu Produkten und Einnahme wünscht, darf sich gerne bei mir melden.
Ganz wichtig und noch nachhaltiger als die Einnahme von Präparaten: Ab in die Sonne!

Richtiges Sonnen für die Vitamin D-Produktion

Die UV-Strahlung ist nicht nur für die Vitamin-D-Produktion und damit die Gesundheit wichtig, sie ist paradoxerweise gleichzeitig auch potenziell schädlich, weil sie bei übermäßiger Besonnung mit der Hautalterung und der Entstehung von Hautkrebs in Verbindung gebracht wird. Hier wurde in der Vergangenheit viel Angst geschürt und empfohlen starkes Sonnen zu vermeiden bzw. Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor zu benutzen. Hier gibt es jedoch ein Problem:

Ab Lichtschutzfaktor 8 findet beinahe keine Vitamin-D-Produktion mehr statt!
Unter normalen Bedingungen sind Sonnenschutzmittel kaum nötig, denn die Haut verfügt über ausgezeichnete Schutzmechanismen gegen übermäßige Strahlenbelastung. Das Hautpigment Melanin, welches auch für die Bräunung der Haut verantwortlich ist, leistet zusammen mit diversen anderen Faktoren einen sehr wirksamen Strahlenschutz.
Hier einige Eckpunkte zum richtigen Umgang mit der Sonne:
  • Die Eigenschutzzeit ermitteln In der Zeit bis zum Auftreten erster Rötungen ist die Haut optimal durch einen Eigenschutz vor den negativen Auswirkungen von UV-Licht geschützt. Diese Zeit wird als minimale Erythemdosis (MED) bezeichnet und sollte im Selbstversuch ermittelt werden. Ein ungeschütztes Sonnenbad sollte nie länger als diese MED dauern, für die Vitamin-D-Produktion sind 50 Prozent der MED ausreichend. Die MED erhöht sich mit zunehmender Bräune und ist nach Hauttyp und individuell verschieden.
  • Langsame Eingewöhnung Die Haut wenn möglich beginnend mit dem Frühling langsam an die Sonne gewöhnen. Lange Sonnenbäder bei unvorbereiteter Haut können schädlich sein. Bei Sonnenmangel während der Woche Sonnenbäder am Wochenende nicht übertreiben.
  • Täglich sonnen Wenn das Wetter es zulässt, sollte täglich ein Sonnenbad in den Tagesverlauf eingeplant werden.
  • Große Hautfläche besonnen Die Besonnung von Gesicht und Armen ist nicht ausreichend für die Produktion von genügend Vitamin D. Wenn möglich nackt oder in Badekleidung sonnen. Wo dies nicht möglich ist, kurze Kleidung tragen.
  • Ohne Sonnenschutzmittel besonnen. Für mindestens die Hälfte der MED sollte ohne Sonnenschutzmittel besonnt werden. Danach können Kleidung oder Sonnenschutzmittel eingesetzt werden (Quelle: http://www.vitamind.net/sonne/)
Fazit: Jeder, der an Stimmungstiefs oder gar handfesten Depressionen leidet (besonders in den Wintermonaten) sollte seinen Vitamin D-Spiegel kontrollieren lassen. Die Vitamin-D-Therapie ist im Winter durch Vitamin-D-Präparate günstig und im Sommer durch die Sonne sogar kostenlos und im Gegensatz zu vielen Antidepressiva auch frei von schweren Nebenwirkungen. Menschen, die an Depressionen leiden, kann darum in jedem Fall empfohlen werden, diesen Weg zumindest auszuprobieren. Für die geeignete Therapie steh ich gern mit Rat und Tat zur Verfügung. Ganz nebenbei: Auch die Vitamine B12 und B6 sollten bei Depressionen gecheckt werden, da auch diese Nährstoffe Einfluss auf unsere Stimmung nehmen.

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